Ein Jahresmotto für die Sozial- , Bildungs- und Kulturarbeit

Ein sehr großer Teil der Angebote im sozialen, kulturellen und Bildungsbereich wird in Vereinen erbracht. Auf der Webseite der Stadt Leipzig gibt es eine Vereinsdatenbank mit aktuell 483 Vereinen.

Nun ist das in der Regel so, dass die meisten Vereine komplett ehrenamtlich getragen werden und auch dort, wo es Festangestellte gibt, ist deren Arbeitspensum auch nicht gerade gering. Es gibt einen Vereinszweck und auf den konzentriert sich naturgemäß die eingesetzte Zeit. Das miteinander Netzwerken bleibt meist ein paar Wenigen vorbehalten, weil auch das vor allem auch Zeit braucht.

Mit einem Jahresmotto für den Bereich des Sozialen, der Bildungs- und Kulturarbeit könnte man das miteinander Netzwerken unterstützen. Praktisch sähe das so aus, dass es ein fortlaufendes Programm zum Jahrsmotto gibt, für dessen Ausgestaltung die Stadt zusätzliche Gelder zur Verfügung stellt. Allerdings unter einer neuen Bedingung, nämlich der der Zusammenarbeit der Vereine untereinander. Bekommen können diese Gelder dann nur Vereinsgemeinschaftsprojekte.

Allerdings muss man das noch etwas weiterdenken. Damit aus dieser Idee kein neues Bürokratiemonster wird, sollte die Mittelvergabe nicht in einem klassischen Verfahren ausgegeben werden. Mit noch mehr Fördermittelanträgen hilft man nämlich nicht allen Vereinen, sondern nur denen, die diese zusätzliche Aufgabe der Beantragung und des Verwendungsnachweises überhaupt bewältigen können. Das sind dann, ebenfalls leicht nachvollziehbar, die etablierten und eher die größeren Vereine als diejenigen, die neu sind und am ehesten die Vernetzung sehr gut gebrauchen könnten.

Aber wie wäre es denn, wenn so ein Jahr mit einer großen Netzwerkparty beginnen würde? Zwei Tage auf denen sich Vereine gegenseitig und der Öffentlichkeit in einer Art Messe präsentieren und es parallel ein öffentliches Pitching um die Gelder gibt. Stellen wir uns vor: Drei, fünf oder sieben Vereine stehen auf einer Bühne, jeder hat je eine Minute Zeit sich vorzustellen und sagt auch kurz seine Standnummer. Dann tragen zwei oder drei davon zwei Minuten vor, für was sie das Geld verwenden möchten. Eine Jury bestehend aus ebenfalls Vereinsvertretern, Bürgern aus allen Stadtteilen und Mitarbeiterinnen aus der Stadtverwaltung entscheiden mehrheitlich. Wichtig wäre, dass es um fixe Beträge je Verein geht – also jeder auf Verein zur eigenen Verwendung im gemeinschaftlichen Projekt – und auch, dass diese Beträge nicht riesengroß sind. Und wie wäre es, wenn das Geld tatsächlich dann einfach ausgezahlt wird und der Verwendungsnachweis nicht per Formular, sondern wiederum öffentlich z.B. in Form einer Videodokumentation über einen gemeinsamen YouTube-Kanal geführt wird?

Wenn wir von 1000,- Euro je Verein und insgesamt 200 Vereine ausgehen, die jeweils nur einmal das Geld bekommen können, sind wir bei 200.000,- Euro. Plus das Geld für die Netzwerkparty, plus die Dokumentation für den Nachweis, die lieber nicht jeder allein, sondern ein gesondertes Team übernehmen sollte, plus eine Stelle für das Projektmanagement, plus weitere Aufwendungen sind wir schnell bei 300.000,- Euro. Zu viel? Ich denke ein Experiment wäre es wert.

Was wir außerdem schaffen, ist ein neues Format des Miteinanders und ein sehr wichtiger Impuls im angestaubten Verfahren zur Mittelverteilung. Fördermittelanträge sind nämlich alles andere als förderlich. Klingt vielleicht komisch, ist aber so. Ich jedenfalls stelle nur noch sehr ungern solche und wenn es sich irgendwie verhindern lässt, einfach überhaupt nicht. Das hat mehrere Gründe, die ich so schnell hier nicht ausführen kann. Eine Vergabe über ein öffentliches Pitching und ein Verwendungsnachweis über ein Video, darauf hätte ich sehr wohl sehr große Lust.

2 Kommentare

  1. … und wir sind gerade dabei, einen (Frei)Raum für genau solche Dinge und Akteure zu schaffen im Leipziger Westen. Auf ca. 230qm soll ein Ort der Begegnung und des Austauschen entstehen… und Platz für all jene Projekte und Akteure, die andernorts sonst immer unter den Tisch fallen…
    Wenn ihr Lust auf einen Gedankenaustausch habt, so kontaktiert uns gerne – wir würden uns freuen!

  2. sehr gern, lieber andreas. wie kann man dich erreichen… freitags ist immer gelegenheit, zur sprechstunde vorbeizukommen…immer von 10 bis 13 uhr im Caravan Projektladen / Sinn & Sein e.V., Zschochersche Str. 2, 04177 Leipzig.

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