Disruptive Netzwerkökonomie 4.0

Diesen Blogartikel schreib ich deshalb, da ich mich als Mitgründer von NextLeipzig für den Stadtwandel allgemein interessiere und ich selbst Teil des hier beschriebenen Projektes bin.

Nirgenwo sonst ist der Strukturwandel so konkret sichtbar wie hier, im ehemaligen Industriegebiet Wolfen Nord, mittlerweile Teil der Stadt Bitterfeld Wolfen.

Die meisten der zahlreichen Wohngebäude in Plattenbauweise wurden aus Gründen des Leerstandes mittlerweise abgerissen, nur Vereinzelte werden stehen bleiben. Die noch stehenden entkernten Ruinen zeugen von einer Welt von gestern, einem längst überholten Gesellschaftsmodell, das auf industrielle Massenproduktion, fossilen Rohstoffen und zentralisierten Institutionen basierte.

Durch den Abriß entstehen spannende neue Freiräume, ein Potenzial, das genutzt werden sollte. Genau diese Chance haben einige Leute u.a. aus Leipzig, Halle, Dresden und Wolfen erkannt, die unlängst zu diesem Zweck eine Lebensgemeinschaft gegründet haben. Diese möchte gemeinsam mit der Stadt, der Nachbarschaft und weiteren Engagierten nichts Geringeres als ein gesellschaftliches Experiment anstoßen. Die Realisierung eines ökologischen Quartiers. Also ziemlich genau das Gegenteil von dem, was hier einmal gewesen war.

Die Gemeinschaft möchte weiter wachsen und weitere Aktive gewinnen, die diesen Ort zu einem Zentrum der Solidarität, der Selbstversorgung, der sozialen Innovationen- sprich zu einem gemeinschaftlichen Ort der Zukunft mitgestalten. Im nächsten Schritt wird ein Gemeinschaftsgarten entstehen, später ein Bioladen, ein Gesundheitszentrum, ein Wald, eine Schule, Bienenzucht und kleine Wohnhäuser aus Lehm.

Vom 17.- bis zum 19. Februar hat die Gemeinschaft ein intensives Arbeitswochenende durchgeführt. Mithilfe eines selbstgebastelten Quartierplanes in Form eines Bodenplakates wurde gemeinsam spielerisch experimentiert, wo genau was an diesem Ort entstehen kann. Werkstätten, Permakultur, Coworking Spaces, ein Kulturzentrum und ein Ort der Spiritualität.

Sinn und Zweck der Übung war nicht, im kleinen Kreis etwas festzulegen. Vielmehr ging es darum, einen kreativen Prozess anzustoßen, der sich schrittweise immer weiter konkretisieren soll. Sogar ein Name wird noch für das Quartier gesucht. Denkbar wäre NextWolfen.

Dafür braucht es viele Menschen. Künstler, Freelancer, Wissenschaftler, Architekten, Ingeneure, Handwerker, Gärtner und Programmier. Besonders interessant erscheint mir für das Projekt Vordenker wie Alexander Rieck, Werner Sobek, Michael Braungart, Gerald Hüther und viele mehr.

Besonders interessant sind grüne Startups, da diese perspektivisch in der Lage wären, Vorort alternative Jobs zu schaffen. Erreicht werden kann das durch die Etablierung von nachhaltigen Produktions- und Wirtschaftsstrukturen, z.B. im Bereich der Bioökonomie, der IT, der Kreativwirtschaft und des 3D Drucks. Das Quartier Wolfen Nord bietet ideale Möglichkeiten, im partizipativen kreativen Prozess soziale und technologische Innovationen im Sinne einer Postwachstumsgesellschaft zu erproben, zu experimentieren und zu produzieren.

Interessant hierfür erscheint die Platformcoop-Bewegung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Intelligenz der digitalen Plattformökonomie von Uber, Airbnb, Amazon und Co mit dem Konzept einer genossenschaftlich organisierten Gemeinwohlökonomie zu verknüpfen. Die Platformcoop-Bewegung vertritt solidarisch organisierte Startups, die perspektivisch das Potenzial in sich tragen, all die Aufgaben genossenschaftlich zu organisieren, die bislang private und öffentliche Institutionen betreiben. Dieses Prinzip kennen wir bereits von den Bürgergenossenschaften.

Lasst uns gemeinsam diesen Ort nutzen, die Zukunft zum Mainstream zu machen. Gelegenheit dazu gibt es genug. Vom 15. bis zum 22. juli 2017 organisiert die Gemeinschaft extra dazu spannende Eventage, die kreative Zukunftsgestalter dazu einladen, den Ort kennenzulernen. Wer Interesse hat, meldet sich bei mir…phartmann6@t-online.de

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