„Bürgerengagement“ braucht funktionierende Strukturen- oder- Warum Bürgerbeteiligung allein nicht mehr reicht.

In den Städten hat sich viel getan in den letzten Jahren. Die Bürgergesellschaft ist aktiv geworden. Die jeweiligen Kommunen haben sich ein gutes Stück geöffnet für Bürgerbeteiligung. Es entstehen immer mehr Initiativen in den Bereichen foodsharing, Regionalwährungen, Tauschplattformen und Urban Gardening. Zudem wächst stetig das Veranstaltungsangebot für nachhaltige Stadtentwicklung.

Trotz all dem ist leider nicht nur in Leipzig zu beobachten, dass die klassische Immobilienwirtschaft boomt, dass immer weiter neue Konsumtempel, Großmärkte und Hotels gebaut werden. Immer öfters verschwinden Brachflächen, Strassen werden verbreitert, Gewerbeflächen ausgebaut. Durch den Leipziger Auenwald wird gerade eine neue Schnellstrasse gebaut. Letzte Woche wurden direkt in meiner Nachbarschaft unzählige alte Pappeln am Strassenrand entfernt. Der Ökolöwe steht selber hilflos da und sagt mir nur am Telefon, die Stadt will die Strasse verbreitern damit der stetig wachsende Verkehr auch in Zukunft durchrollen kann.

All das zeigt mir, dass die Stadt es mit „Leipziger Agenda21“ anscheinend nicht ganz ernst meint. Und dass die unzähligen Bürgerbeteiligungsveranstaltungen wie u.a. die aufwändig vom Bund geförderte Reihe „Leipzig weiter denken“ den engagierten Bürgern nur das Gefühl geben soll, mit seinen eigenen Impulsen und Ideen direkten Einfluß auf das Stadtgeschehen nehmen zu können.

Fakt ist! Mein Gefühl sagt mir nach jahrelangem Beobachten und Recherche…Die Zukunft verlangt nach einer völligen Neuausrichtung des bürgerlichen Engagements. Denn selbst Bürgerbeteiligungsverfahren sind letztendlich immer noch auf die Gunst der Stadtverwaltung als Entscheidungsträger angewiesen und sind aus meiner Sicht nicht wirklich wirksam.

Was die Zukunft braucht sind wirksame Instrumente, um den ökosozialen Wandel auch ohne die Abhängigkeit von Fördermittel, ehrenamtliche Unterstützung und die Akzeptanz der Stadtverwatung zum Mainstreem zu machen.

Im Dezember war ich mit dem „green net project“ bei einem Workshop Namens „Platform Coops – Start your own!“

Vorgestellt haben sich zahlreiche Vertreter aus der Platformcoop-Bewegung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Intelligenz der digitalen Plattformökonomie von Uber, airnbn, Amazon und Co mit dem Konzept einer genossenschaftlich organisierten Gemeinwohlökonomie zu verknüpfen. Diese gemeinnützig und dezentral organisierten grünen Startups tragen perspektivisch das Potenzial in sich, button up all die Aufgaben in Bürgerhand zu organisieren, die bislang private oder auch städtische Unternehmen und Institutionen. Dieses Prinzip kennen wir bereits von den Bürgergenossenschaften.

Ich hab für mich überlegt, dass die NextLeipzig-Initiative nicht weiterhin ihre Kraft und Energie damit verschwenden sollte, kommunale Akteure ob privat oder öffentlich für die NextLeipzig-Initiative zu gewinnen. Denn mit dieser Strategie des Bettelns gab es bisang keine wirksamen Fortschritte und wir drehten uns im Kreis. NextLeipzig sollte sich viemehr dafür einsetzen, die Platformcoop-Bewegung für diese Stadt salonfähig zu machen. Bürger sollen dabei nicht länger nur Konsumenten bleiben sondern gleichzeitig aktive Selbstgestalter der eigenen Umwelt werden, selbst Produzent und Verwalter. Das ist genau die Vision, die Nextleipzig verkörpern sollte.

Einen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.